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AUSBILDUNG Schneiderhandwerk

Du bist an einer Ausbildung zum Damen- Herrenmaßschneider interessiert?

Dieses denn vorweg:

Das ist nicht einfach.

Zu diesem Beruf sind

- Konzentrationsfähigkeit,
- Geduld,
- Kreativität,
- Genauigkeit
- Mitdenken
- ein gutes Auge

unbedingte Voraussetzungen.

Ohne Ausnahme.

So, frage Dich also, wer Du bist, sonst brauchst Du den folgenden Text gar nicht erst lesen.

Es werden immer weniger Maßschneider in Deutschland ausgebildet.
Es ist für den Ausbilder einfach zu aufwendig und kostenintensiv.

Die Nachfrage geht auch immer weiter zurück, wie der Verstand des "gemeinen" Deutschen.

Bei vielen Kleidungswünschen ist den Leuten einfach nicht klar, wie aufwendig die Arbeit ist und es ist ihnen schlichtweg zu teuer.

In dieser Zeit, der Generation " Kopf unten" (Telephon), wo den Konsumenten erzählt wird, wie toll Plastikstoffe und irgendwelche Hitec-Fasern zum Tragen und Pflegen sind, ist es geradezu furchterregend, wenn man noch weiß, welche Qualitäten, Schurwolle, Baumwolle, Leinen, Cashmere und Seiden haben.

Natürlich interessierst Du Dich für dieses Handwerk, sonst würdest Du das hier nicht lesen.

Gehe einfach auf die Straße und schaue Dir die Passanten genau an, wo die Kleidung spannt, der Rückenschlitz nicht richtig schließt, die Ärmellänge nicht stimmt, die Nähte oberflächlich gearbeitet sind oder wie "krumm duffelt" das ganze Teil genäht ist.
Einmal abgesehen davon, sich zerrissene Jeans anzuziehen.
"Das ist in" , ein Zeichen unserer Zeit.

Man glaubt es kaum.

Und Du mußt in diesem Beruf ein "gutes Auge" haben, was zu dem Kunden paßt und ihm steht.
Nehmen wir ein typisches Beispiel:
Sicherlich hast Du unsere Bundeskanzlerin schon einmal gesehen.
Schau genau hin. Ohne ihre Person oder Politik zu bewerten, einfach nur vom schneiderischen Aspekt aus betrachtet.
Ihre Figur ist eine Herausforderung für jeden Maßschneider.
Ihre Hausschneiderin oder Designerin hat schon ein wenig gebraucht, um den optimalen Damenblazer für Sie zu gestalten.
Es ist der klassische Blazer, der steht ihr auch. Und deswegen hat sie ihn in allen Farben dieser Welt. Sicherlich man könnte noch varieren, abgesetzter Kragen, Paspelierung, große Knöpfe , andere Manschetten, aber der Grundschnitt ist immer der Gleiche. Mit einem einzigen Kleidungsstück kann man viel erreichen.
Aber nun überlege Dir eine Frau, groß, üppig proportioniert, viel Busen.
Ihr könntest Du diesen klassischen Blazer nicht empfehlen. Da würde man z.B. den Kragen und das Revers breiter gestalten, so daß der Busen vorteilhafter erscheint.

Die Bundeskanzlerin hat immer Hosen an. Achte nur einmal auf die Hose.
Nüchtern gesagt, die Hosen sitzen bis heute nicht.
Da siehst Du als Maßschneider, das auch andere an ihre Grenzen stoßen.
Eine gut sitzende Damenhose zu schneidern ist auf jeden Fall nicht "hopp la hopp" fertiggenäht.

Grundsätzlich: der Mensch ist in sich schief und vielleicht noch in sich gedreht. Jeder Kunde ist eine Herausforderung mit anderen Problemzonen.

Dazu kommt natürlich auch, daß wenn Du etwas in Seide nähst, anders fluchst, als wenn Du einen derben Tweed bearbeitest. Das könnte der gleiche Blazer sein, der aber ganz anders sitzt, wenn er fertig ist.
Jedes Material hat seine Besonderheiten.

Solltest Du in Versuchung kommen, unseren Bundestag zu besuchen, achte einmal auf die kleidung des Dienst- und Sicherheitspersonals.
Eine Dame, von der Größe der Bundeskanzlerin, trägt ein Herrensakko. Drei Nummern zu groß. Einfach einmal beobachtet.
Selbst Du, noch mit ungeübtem Blick, würdest feststellen, das da noch was geht.


Wir arbeiten Kleidung fürs Leben, Lieblingsstücke, von denen man lange etwas hat.
Keine "fast-fashion".

Das heißt , das nur die Kunden kommen, die auf die Schaumschlägereien im Internet , in den Katalogen und der Werbung nicht hereinfallen.
Natürlich spielt häufig auch die Paßform eine Rolle.
Der Mensch verändert sich im Laufe seines Lebens.
Bei Damen z.B. ist ab einem bestimmten Alter die Oberweite eine andere Größe als Hüfte und Po. Bei Männern haben wir denn auch mal ein "Bäuchlein" ein sportliches natürlich, etc. etc..
Nebenbei sei erwähnt, daß die Größenangaben in den Kleidungsstücken von der Stange oft nicht stimmen.
Damen wird gerne geschmeichelt , alles Tricks.
Beim Maßschneider sind wir denn in der Realtität angekommen.


Hauptsache der Konsument kauft schnell und viel und dauernd.

Maßkleidung ist im Grunde viel preiswerter, da man solch ein Kleidungsstück lange hegt und pflegt.

Zum Verständnis:
Es gibt die fertige Kleidung zu kaufen, die reine Maßkleidung und Maßkonfektion. Bei dieser wird eine Mustergröße auf den Kunden abgestimmt und industriell gefertigt.
(Das geht aber nur innerhalb bestimmter Parameter. Hat der Herr einen "Bauch", sitzt das Revers nicht mehr. Der Kunde ist denn unzufrieden, weil das Sakko z.B. "sperrt", also nicht auf der Brust anliegt, etc. .
So ist es denn, wenn einer nur "kleines Geld" ausgeben will, aber verlangt, daß der Anzug der Maßkleidung entsprechen soll)
Dennoch ist Maßkonfektion, wenn überhaupt, im Moment das gängigste Angebot. Wir bieten diese Variante ebenfalls an, es ist halt preiswerter.
Allerdings sind die meisten Anbieter keine Maßschneider im eigentlichen Sinne,nur "angelernt und eingewiesen".
Die Erfahrungen muß der Kunde selber machen. Er darf sich nicht wundern, wenn nachträglich so einiges geändert werden muß.


Kammern, Berufsgenossenschaft, Prüfungsgebühren, Sozialversicherung etc..
Jeder "zockt" ab.
Das muß man leider so deutlich einmal sagen.

Wie in anderen Dingen im täglichen Leben, kommen von irgendwo von Irgendeinem mit irgendwelchen fadenscheinigen Begründungen, immer neue Kostenstellungen, Gebühren und Beitragserhöhungen.

Alles leidet und ächzt. Irgendwann wird es dem Einen oder Anderen reichen.

Die Handwerkskammern haben es sich vor einigen Jahren einfallen lassen, daß es jetzt "Ausbildung zum Damen- und Herrenschneider" heißt.
Auch eine Folge dieser Zeitentwicklung. Nehmen Beiträge und haben nicht die geringste Ahnung von diesem Handwerk.

Diese Berufsbezeichnung ist natürlich absoluter Mumpitz. Entweder man lernt Damen- oder Herrenschneider.
Das sind schon wesentliche Arbeitsunterschiede und Schwierigkeitsgrade bei Damen und Herren.

Es gibt Ausnahmen.

Wir sind so eine.
Bei uns lernt der Lehrling Damen und Herren und Kinder. Ebenso das Fertigen von historischen Uniformen, Posamentieren und Sticken, und das Arbeiten mit Fellen, Pelzen und Leder.
Wie Du einen Schnitt bearbeitest bekommst Du ebenfalls mit.
Aber Schnitttechnik ist eine gesonderte Ausbildung, die beim Meisterkurs angesagt wäre.

Es gibt mit Sicherheit nicht viele Ateliers, die solch eine Vielfalt von Aufträgen haben.


Unsere bisherigen Auszubildenden haben alle hervorragend ihre Lehre abgeschlossen und besitzen für ihr weiteres Leben ein solides Fundament.

Mit einer solch bodenständigen Ausbildung kann man später arbeiten, sich fortbilden oder gar studieren.
Das ist auch so ein Thema:
Tausende von "Designerchen" werden jährlich von irgendwelchen Modeinstituten/ -schulen auf den Textil- und Modemarkt losgelassen.
Etliche merken ganz schnell, wie kompliziert die Textilindustrie tickt und wie aufwendig und komplex Schnitterstellungen und Fertigungen sein können.

Nix ist da mit Erfolg und Glanz " Ich bin Modedesigner".

Alles harte Arbeit und/oder kostspieliges Marketing.

Nun, wir haben uns grundsätzlich entschlossen (ebenso wie befreundete Maßschneiderinnen hier in Norddeutschland, und die sind richtig gut, aber Hallo!), diesen Wahnsinn nicht mehr mitzumachen.

Ab sofort muß der Lehrling, ganz wie früher, "Lehrgeld" bezahlen.

Wir nehmen monatlich 900 €.

Dann sind wir bereit, unser Wissen an Dich weiterzugeben.

Es geht hier nicht darum eine "billige" Arbeitskraft zu bekommen, wie das vielleicht bei Vielen den Anschein haben mag.

Vom Lehrling erwarten wir Einsatz.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Hier wird gearbeitet und zwar kein "Tünkrom".

Die Ausbildung geht über drei Jahre und beinhaltet die Fahrkosten und Übernachtungen der Berufsschule ( die in unserem Falle in Kellinghusen ist, noch) sowie alle prüfungsrelevanten Gebühren und das handwerkliche Werkzeug.

Nicht in diesem Betrag ist Deine Unterkunft hier und Lebensunterhaltskosten. Da mußt Du zusehen, das auch dafür monatlich genügend Geld vorhanden ist.

Gut, die oben genannten Voraussetzungen und die eben erwähnten Kosten, das kommt auf Dich zu.

Es kann sein, daß einmal länger gearbeitet werden muß, weil etwas terminlich eilt.
Das kriegen wir aber alles hin, da gibt ´s denn mal einen Tag frei . Alles regelbar.
Ich schreibe hier von Eile.
Das geht aber nur so schnell wie die Hände sind, das ist Handwerk, man drückt ja nun nicht irgendwo auf einen Knopf und "der Kuchen ist fertig".
Alles dauert seine Zeit.

Überlege es Dir gut, ein schwieriges Handwerk.
Wie vieles andere vom "Aussterben" bedroht.

Es birgt aber auch die Chance für Deine Zukunft.

Wer kann das schon? So etwas gibt es nicht an jeder Ecke.

Wir arbeiteten auch schon für einen chinesischen Textilproduzenten.
In solchen Ländern ist man noch lange nicht soweit, da fehlt das Verständnis und die Tradition, einmal abgesehen davon, daß Chinesen eine schmalere Statur haben. Es wird kopiert, ohne Ende.

Kopieren und Ideen klauen ist gang und gäbe in der Textilbranche.

Ergo: per aspera ad astra.

Wir hier in Norddeutschland mögen es gerne bodenständig und solide.

Du müßtest erst ein mehrwöchiges Praktikum bei uns absolvieren. Damit wir gemeinsam sehen, ob dieses Handwerk wirklich etwas für Dich ist.
Das Praktikum wird nicht bezahlt.

Wir sind nicht spießig, wie man bei dem Lesen dieses Textes vielleicht denken mag, aber wir verlangen eben, daß Du genügend "Grips" hast, diese gesellschaftliche Verflachung zumindest zu Hinterfragen.

Es soll ja nicht heißen: "Meister ick bün ferddich, schall ick wedder optrennen?"


Falls Du es bis hierhin geschafft hast und vermutest, das die Möglichkeit einer Finanzierung besteht, diskutiere das mit Deine(r)m FreundIn und Eltern oder den Verwandten.

Das ist schon die"halbe Miete".

Helmuth Habel
Geschäftsführung
Esther John KG


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